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Ernährung

Was ist Sulforaphan und in welchen Lebensmitteln kommt es vor?

Sulforaphan ist ein Inhaltsstoff, der in der Pflanzenfamilie der Kreuzblütler vorkommt und dem bereits seit der Antike eine heilsame Wirkung nachgesagt wird. Zu den Kreuzblütlern zählen Brokkoli und Blumenkohl sowie sämtliche weiteren Kohlsorten, aber auch Kresse, Kapuzinerkresse, Rucola, Rettich, Radieschen, Meerrettich, Kohlrübe , Raps und Senf. Inzwischen hat man die wirksamen Substanzen dieser Pflanzen isoliert:

Es handelt sich um Senföle, von denen mehr als 150 verschiedene bekannt sind und die in unterschiedlichen Mengen in den verschiedenen Kreuzblütlern vorkommen. Diese machen den scharfen Geschmack von Rettich, Meerrettich und Senf oder den teilweise bitteren Geschmack verschiedener Kohlsorten aus. Eines der bekanntesten und am besten untersuchten Senfölglykoside ist das Glukoraphan, das in die aktive Substanz Sulforaphan gespalten wird.

Wie wirkt Sulforaphan gegen Tumorstammzellen?

Bei Versuchen an Mäusen wurde gezeigt, dass Sulforaphan die besonders aggressiven Tumorstammzellen angreift und diese dadurch für die Chemotherapie empfindlich macht. Es wird vermutet, dass Tumorstammzellen- diese überleben eine herkömmliche Chemo- und Strahlentherapie – für die Entstehung und Metastasierung von Krebs verantwortlich sind. Da die normalen Tumorzellen empfindlicher sind, sterben diese unter Therapie ab und die Geschwulst wird häufig kleiner, besonders während der ersten Therapiezyklen. Da aber die resistenten Tumorstammzellen übrig bleiben, können diese den Tumor erneut ausbilden. Es zeigte sich, dass die Tumorstammzellen während wiederholter chemotherapeutischer Behandlungen angereichert werden und daher der Tumor nach mehreren Zyklen resistent geworden ist. Basierend auf den Labordaten wirkt eine sulforaphanreiche Ernährung der Anreicherung von Tumorstammzellen entgegen.

Wie kann Sulforaphan aufgenommen werden?

Sulforaphan gibt es nicht als Reinsubstanz als Medikament zu kaufen, kann jedoch über die Ernährung in therapeutisch wirksamen Dosen aufgenommen werden. Enthalten ist der Wirkstoff und ähnliche Senföle in Kreuzblütengewächse. Dazu gehören Brokkoli und Blumenkohl sowie alle weiteren Kohlsorten, auch Sauerkraut, Kresse, Kapuzinerkresse, Rucola, Rettich, Radieschen, Meerrettich, Kohlrübe, Raps und Senf.

Inzwischen bieten immer mehr Hersteller gefriergetrocknete Brokkolisprossen als Pulver oder in Kapseln verpackt an, da Glucoraphanin und dessen aktive Substanz Sulforaphan in Sprossen angereichert sind. Allerdings sind diese Produkte teuer und aktuelle Analysezertifikate der Sulforaphan-Konzentrationen und der mikrobiellen Belastung sind oft nicht verfügbar. Oft wird die tatsächliche Sulforaphan Konzentration nicht angegeben, sondern die des Vorläufers Glucoraphanin, der aber im Körper nicht 1:1 in Sulforaphan umgesetzt werden kann.   

Die Preise liegen für 120 Kapseln bei ca. 42,00 EUR.

In welcher Dosis sollte Sulforaphan aufgenommen werden?

Die empfohlene Dosis beträgt beim Menschen von 0,36 mg Sulforaphan pro kg Körpergewicht. Dies entspricht 25,2 mg Sulforaphan täglich für einen 70 kg schweren Menschen. Laufende Pilotstudien an Patienten verwenden 90 mg Sulforaphan täglich.

Was ist bei der Aufnahme von Sulforaphan über Kohlgemüse und Brokkoli-sprossen zu beachten?

Sulforaphan wird durch Hitze weitgehend zerstört, weshalb man Brokkoligemüse nur ganz leicht dünsten / dämpfen / in Fett abraten und noch knackig verzehren sollten. Sulforaphan löst sich aus der Pflanzenzelle in das Kochwasser, d.h., wenn man Brokkoli kocht, sollte das Kochwasser nicht weggeschüttet, sondern zur Zubereitung einer Soße oder Suppe verwendet werden.

Eine sehr gute Sulforaphan-Quelle können Brokkolisamen oder Brokkolisprossen sein, da diese je nach Sorte und Wachstumsbedingungen 10 bis 100mal so viel des Sulforaphan-Vorläufers Glucoraphan enthalten.

Nebenwirkungen von Brokkolisprossen

Kreuzblütler stellen scharf oder bitter schmeckende Senföle her, um Schädlinge abzuwehren. Bei der Einnahme von Brokkolisamen oder Sprossen sollte man nicht überdosieren. Man weiß bisher lediglich, dass eine tägliche Sulforaphandosis von 90 mg über mehrere Wochen keine offensichtlichen Nebenwirkungen bei Patienten verursacht hat. Eine relativ harmlose Nebenwirkung von Kohl und auch von Brokkolisprossen sind Blähungen, die nach Schwefel riechen können, da dieser ein Bestandteil der Senföle ist. Kreuzblütlergemüse enthält aber auch viele Ballaststoffe und wirkt daher positiv auf die Verdauung. Zudem wirkt Sulforaphan indirekt antioxidativ.

Wurde  empfohlen, auf Kohl zu verzichten? So kommt man trotzdem in den Genuss der wertvollen Inhaltsstoffe.

Man kann sich mit etwas Phantasie ein SEHR gesundes Frühstück oder Abendessen zubereiten.

Wurde vom Arzt empfohlen, auf Hülsenfrüchte und Kohl zu verzichten, muss man dennoch nicht auf diese wertvollen Gemüse verzichten. Blähungen sollten vermieden werden, das ist klar.  Es gibt einen guten und gangbaren Mittelweg.

Hier einige Tipps:

– Brokkoli und Blumenkohl sind gut verdaulich, wenn man nur die Röschen, aber nicht den Stiel isst.

– Spitzkohl macht keine Blähungen. Kann also bedenkenlos gegessen werden.

– Blähende Kohlsorten lange kochen, damit sie verdaulicher werden – zu gekochtem Kohl immer gleichzeitig einen frischen Kreuzblütler essen (Radieschen, Kresse, Rucola, Senf, Rapsöl), damit die inaktiven Vorläuferstoffe aktiviert werden.

– Kohl zusammen mit Kümmel oder Fenchel zubereiten, das entspannt die Darmmuskulatur und macht Blähungen leichter verträglich.

– Kleinere Portionen mehrmals über den Tag verteilt sind leichter verdaulich.

Weitere bioaktive Stoffe gegen Tumorstammzellen

Inzwischen konnte nachweisen werden, dass noch ein weiterer Stoff aus Brokkoli, das Polyphenol Quercetin, ebenfalls Tumorstammzellen des Bauchspeicheldrüsenkrebses angreift und damit die Wirkung von Sulforaphan ergänzt. Quercetin findet sich in vielen weiteren Obst- und Gemüsesorten, darunter Zitrusfrüchte, Äpfel, Zwiebeln, Beeren, Petersilie, Salbei, Trauben, Olivenöl sowie in grünem und schwarzem Tee. Ebenso konnte Triptolid, eine Substanz die in der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendet wird, die Tumorstammzellen angreifen.  Nachgewiesen hat man solche Stoffe bisher in Hülsenfrüchten (Genistein aus Sojabohnen), Curcuma (Curcumin, enthalten z.B. in Curry), Tomaten (Lycopen), Weintrauben, Beeren, Pflaumen und Erdnüssen (Resveratrol, z.B. auch in Rotwein), schwarzem Pfeffer (Piperin), grünem Tee (EGCG), Fisch, Eigelb und Lebertran (Vitamin D). Bei Vitamin D ist zu beachten, dass nur etwa 10 Prozent mit der Nahrung zugeführt werden und die restlichen 90 Prozent über Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet werden. Sicherlich werden sich in nächster Zeit noch mehr Nahrungsinhaltsstoffe mit Wirkung gegen Tumorstammzellen finden, jedoch ist hierzu noch intensive Forschungsarbeit notwendig.

Allgemein gilt: Wichtig zur Aufnahme einer breitgefächerten Wirkstoffmischung gegen Tumorstammzellen ist eine ausgewogene, überwiegend pflanzliche Ernährung mit hohem Rohkostanteil. Tägliche Bewegung im Freien für mindestens 30 Minuten ist wichtig, um die Vitamin D Speicher zu füllen, für einen gesunden Stressausgleich und sorgt für gute Laune. 

Wie kann man das Immunsystem noch weiter stärken?

Wer viel für sein Immunsystem tun will, ist auch bereit, sich morgens einen frisch im Entsafter oder Mixer zubereiteten Gemüsesaft oder grünen Smoothie zu sich nehmen und dafür auf das weit verbreitete Frühstück mit Kaffee, Brot, Kuchen, Butter, Wurst, Ei und Marmelade zu verzichten.  Oder auch am Morgen sein Basis-Müsli mit vielen frischen Zutaten isst.

Für den Gemüsesaft verwenden man z.B. Äpfel, Birnen, rote Beete, Karotten, Pastinaken, Brokkoli, Kohlrabi oder andere Kohlgemüse.

Für den Smoothie eignen sich selbst gesammelte Wildkräuter (z.B. Brennessel, junger Löwenzahn, Klee, Spitzwegerich, Butterblume, junger Sauerampfer, Gundermann, Gänseblümchen, Knoblauchsrauke, Schafgarbe, Springkraut/Blüten, Blätter und Früchte von Erdbeeren, Brombeeren, Himbeeren…), Brokkolisprossen, Salat, Leinöl, Walnussöl und Avocado.

Viele Variationen und Mischungen zwischen Gemüsesaft und Smoothie sind möglich. Bei der Zubereitung des Smoothies mit selbstgesammelten Wildkräutern schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Man hat Bewegung an der frischen Luft (Vitamin D, Stressausgleich, Anti-Depressiv) und der Körper bekommt konzentrierte bioaktive Pflanzenstoffe, Vitamine und Mineralien zur Stärkung der Abwehrkräfte.