Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Schwerin

Strahlentherapie

Die Bestrahlung ist eine andere Methode zur Heilung von Prostatakrebs. Sie kann als perkutane Strahlentherapie (Linearbeschleuniger), als LDR-Brachytherapie oder in Kombination von perkutaner Strahlentherapie und LDR-Brachytherapie durchgeführt werden. Die Strahlentherapie ergibt ähnlich gute Langzeitergebnisse wie die Operation. Es gibt bisher keine Ergebnisse großer klinischer Studien, in denen Operation und Bestrahlung direkt miteinander verglichen wurden.

Perkutane Strahlentherapie

Bei der perkutanen Strahlentherapie ist die Strahlenquelle außerhalb des Körpers. Die Bestrahlung wird in der Regel mit einem Linearbeschleuniger (IMRT, IMRT-RapidArc, IGRT) durchgeführt. Die radioaktiven Strahlen (Photonen) durchdringen die Haut (perkutan = durch die Haut).

Die Ergebnisse der Strahlentherapie sind dosisabhängig. Bei einer Dosierung von 74 – 80 Gy ist das Risiko für einen Wiederanstieg des PSA Wertes niedriger als bei einer Dosierung von 64 – 70 Gy. Aktuell wird empfohlen, Prostatakrebspatienten mit mindestens 72 bzw.  74 Gy aber nicht mit mehr als 80 Gy zu bestrahlen.

Die perkutane Strahlentherapie der Prostata wird auf der Basis einer computergestützten, dreidimensionalen Bestrahlungsplanung durchgeführt. Hauptnebenwirkungen entstehen durch die Strahlenbelastung des Enddarms (veränderter Stuhlgang, evtl. Blutungen, Schleimabsonderungen) sowie von Blase und Harnleiter (Blasenentzündung, Schwierigkeiten beim Wasserlassen). Weitere Nebenwirkungen sind Erektionsstörungen und ein erhöhtes Risiko für eine zweite Krebserkrankung aufgrund der Radioaktivität.

Die sogenannte Intensitätsmodulierte Bestrahlung (IMRT) kann das Nebenwirkungsrisiko reduzieren.  

Brachytherapie

a) Low Dose Rate Brachytherapie (LDR – Brachytherapie)

Bei der Brachytherapie erfolgt die Bestrahlung von innen. Für die Brachytherapie werden radioaktive Plättchen (Implantate) in die Nähe des Prostatakrebses gebracht. Die exakte Platzierung erfolgt vom Damm, in Zusammenarbeit von Strahlentherapeuten und Urologen. Die Low-Dose-Rate- Brachytherapie (LDR-Brachytherapie) wird in Deutschland mit125Iod durchgeführt. Die Implantate (englisch: Seeds) werden vom Damm aus dauerhaft in einer Dosis von 145 Gy eingesetzt. Hauptnebenwirkungen der Brachytherapie sind Funktionsstörungen der Blase, der Harnröhre und Erektionsstörungen. Die Strahlenbelastung des Enddarms ist geringer als bei einer perkutanen Bestrahlung, die Strahlenbelastung der Harnröhre ist höher. In den ersten Wochen nach einer LDR Brachytherapie kann der PSA Wert kurzzeitig ansteigen.

b) High Dose Rate Brachytherapie (HDR – Brachytherapie)

Die High Dose Rate Brachytherapie (HDR – Brachytherapie) ist eine weitere Technik zur Bestrahlung der Prostata von innen. Sie wird in Kombination mit der perkutanen Bestrahlung durchgeführt. Diese Technik wird auch als Afterloading (englisch für Nachlast) bezeichnet. Bei der HDR-Brachytherapie wird die Strahlenquelle mittels einer Sonde in den Enddarm eingebracht. Die HDR-Brachytherapie wird bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakrebs bei mittlerem und hohem Risiko und bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs eingesetzt. Ergebnisse randomisierter klinischer Studien zum Vergleich einer ausschließlich perkutanen Strahlentherapie mit Dosierungen von 74 – 80 Gy gegenüber der Kombination von perkutaner Strahlentherapie plus HDR Brachytherapie liegen nicht vor

Strahlentherapie des Beckens (Lymphabflusswege)

Die Bestrahlung der Lymphabflusswege verbessert die Prognose von Patienten mit Prostatakrebs nicht, erhöht aber das Risiko von Nebenwirkungen.

Strahlentherapie plus Hormontherapie

Eine zusätzliche Hormontherapie verbessert die Ergebnisse der Strahlentherapie. Sie wird empfohlen bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakrebs bei mittlerem oder hohem Risiko sowie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs. Bei Patienten mit mittlerem Risiko wird eine Hormontherapie über 4 – 6 Monate, bei Patienten mit hohem Risiko über 24 – 30 Monate empfohlen. Es ist dabei egal, ob die Hormontherapie vor der Bestrahlung begonnen wird, ob sie gleichzeitig zur Bestrahlung oder anschließend gegeben wird. In den Studien wurden für die Strahlentherapie Dosierungen von 64 – 70 Gy verwendet.

Nicht geklärt ist, ob eine zusätzliche Hormontherapie die Prognose der Patienten auch bei den heute empfohlenen, höheren Bestrahlungsdosen von 74 – 80 Gy weiter verbessert.