Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Schwerin

Hormontherapie

Die sogenannte Hormontherapie ist eigentlich eine Anti-Hormontherapie. Sie beruht darauf, dass die bösartigen Zellen beim Prostatakrebs durch männliche Hormone in ihrem Wachstum gefördert werden. Die Abschaltung der männlichen Hormonproduktion führt zu einem Rückgang des Prostatakrebs und seiner Metastasen. Hormontherapie wird eingesetzt bei Patienten mit Metastasen, als ergänzende Behandlung nach Strahlentherapie und gelegentlich auch nach einer Operation. Im Folgenden erkläre ich die verschiedenen Methoden der Hormontherapie.

Entfernung des Hodengewebes – Hodenentfernung

Die meisten männlichen Hormone werden in den Hoden hergestellt. Schon 1940 und 1941 wurde beschrieben, dass eine Entfernung der Hoden, die Kastration, zu einem Rückgang von Prostatakrebs führt. Eine Operation ist kostengünstig, für viele Männer aber psychisch belastend und kann nicht rückgängig gemacht werden.

GnRH Agonisten (Analoga)

Die Steuerung der männlichen Hormonproduktion erfolgt über die Hirnanhangsdrüse. Diese Steuerung wird durch die GnRH Agonisten beeinflusst. GnRH Agonisten senken den Testosteronspiegel innerhalb von 3 – 4 Wochen wie bei einer Kastration. Nach Absetzen der Medikamente ist dieser Effekt rückläufig. GnRH Agonisten werden unter die Haut gespritzt.  

Eine Besonderheit der GnRH Agonisten liegt darin, dass es am Anfang der Behandlung kurzfristig zu einem Anstieg der Testosteronwerte und auch des PSA Wertes kommen kann. Durch die gleichzeitige Gabe anderer Antihormonmedikamente kann diese Nebenwirkung verhindert werden.

Zu den GnRH Agonisten gehören Leuprorelin, Goserelin, Triptorelin, Buserelin und Histrelin. GnRH Agonisten sind Medikamente der ersten Wahl in der Hormontherapie.

GnRH Antagonisten (Blocker)

Eine neuere Gruppe von Medikamenten der Hormontherapie sind die GnRH Blocker. Sie greifen auch in die Steuerung des männlichen Hormonhaushaltes ein. Die Behandlung führt innerhalb von 1 – 3 Tagen zu einer Verminderung der Testosteronproduktion auf Kastrationsniveau. Zu dieser Substanzgruppe gehören Abarelix (Plenaxis) und Degarelix (Firmagon). Nebenwirkungen entsprechen denen anderer Formen der Hormontherapie. Bei Abarelix besteht das Risiko schwerwiegender allergischer Reaktionen.  

Antiandrogene

Nicht-steroidale Antiandrogene Bicalutamid (Casodex), Abirateron (Zytiga) und Flutamid.

Die nicht-steroidalen Antiandrogene wirken direkt an den Tumorzellen. Sie verhindern, dass männliche Hormone die Tumorzelle stimulieren. Eingesetzt werden sie beim lokal fortgeschrittenen und beim metastasierten Prostatakrebs. Die Langzeitergebnisse sind in Bezug auf die Rückfallrate und das Gesamtüberleben der Patienten tendenziell etwas ungünstiger als bei den GnRH Agonisten. Zu den nicht steroidalen Antiandrogenen gehören Bicalutamid und Flutamid. Vorteile dieser Gruppe von Medikamenten sind das etwas günstigere Nebenwirkungsspektrum, verglichen mit den GnRH Antagonisten. Die Leistungsfähigkeit und das sexuelle Interesse werden weniger beeinträchtigt, und die Medikamente können als Tabletten eingenommen werden. Eine besondere Nebenwirkung ist die Belastung der Leber.

Eine Behandlung mit Abirateron (Zytiga) ist bei Erkrankung an einem metastasierenden Prostatakarzinom indiziert, welches anderweitig nicht therapiert werden kann (kastrationsresistent) und sich im Rahmen einer Docetaxel-haltigen Chemotherapie als nicht wirkend erwiesen hat.                                                                                        Seine Hemmung verhindert die Bildung der Hormone. Seit vielen Jahren werden mit Ketoconazol und Aminogluthetimid Medikamente eingesetzt.   Aktuell ist mit Abirateron (Zytiga) ein neuer, spezifischer Hemmer als Medikament zugelassen worden. Die Wirkung von Abirateron wurde zuerst bei Patienten mit einem Rückfall nach einer Chemotherapie nachgewiesen. Abirateron hat die Nebenwirkungen einer Hormontherapie. Besondere Nebenwirkungen sind Wassereinlagerung, hoher Blutdruck und Verlust von Kalium.                                                                                         Xtandi (Enzalutamid) hat Ende 2013 seine Zulassung bekommen. Es zeigt eine weitaus bessere Wirkbreite als Bicalutamid und Abirateron. Noch ist es nur NACH Docetaxel (Chemotherapie) zugelassen. Es wird aber genau wie bei Abirateron auch VOR der Chemotherapie seine Zulassung bekommen.

Medikamente der Hormontherapie

  • Abarelix (Plenaxis) fortgeschrittener oder metastasierter Prostatakrebs              
  • Degarelix (Firmagon) fortgeschrittener oder metastasierter Prostatakrebs
  • Abirateron (Zytiga) metastasierter Prostatakrebs, VOR und NACH Chemotherapie mit Doxetaxel                                                     
  • Bicalutamid (Casodex) fortgeschrittener Prostatakrebs, Einzeltherapie mit 150 mg in Kombination mit LHRH Analoga, fortgeschrittener und metastasierter Krebs VOR und NACH Docetaxel (Chemotherapie) ergänzend bei hohem Risiko
  • Buserelin (Profact) fortgeschrittener Prostatakrebs
  • Cyproteron (Cyproderm)fortgeschrittener Prostatakrebs
  • Flutamid (FLUTA-cell, Flutamin) in Kombination mit LHRH Analoga nach Entfernung der Hoden Fortschreiten unter Behandlung mit GnRH Analoga
  • Goserelin (Zolodex) fortgeschrittener Prostatakrebs
  • Leuprorelin (Trenantone, Enantone, Lucrin, Sixantone, Eligard) fortgeschrittener Prostatakrebs
  • Triptorelin (Decapeptyl) fortgeschrittener Prostatakrebs
  • Enzalutamid (Xtandi) fortgeschrittener Prostatakrebs NACH Versagen der Chemotherapie mit Docetaxel
  • Xtandi (Enzalutamid)   ein neuer Androgenrezeptorblocker (Antagonist), der die fünffache Wirkung von Bicalutamid hat. Xtandi zeichnet sich durch einen dreiphasigen Wirkmechanismus aus.
    • Es hemmt die Bindung von Androgenen an den Androgenrezeptor.                                                    
    • Es hemmt die Translokation (Synthese der Eiweiße) des Androgen-Rezeptors in den Zellkern.
    • Es hemmt die Bindung des Androgenrezeptors an  die DNA.

Maximale Androgenblockade

Die Kombination von GnRH Agonisten und Antiandrogenen wird als maximale Androgenblockade bezeichnet. In mehreren klinischen Studien wurde die maximale Androgenblockade mit zwei Medikamenten gegenüber einer Behandlung mit nur einem Medikament verglichen. Die Ergebnisse sind uneinheitlich. Da die maximale Androgenblockade mit einer höheren Nebenwirkungsrate verbunden ist, wird oft zunächst die Behandlung mit nur einem Medikament empfohlen.

Sind Pausen in der Hormontherapie möglich?

Die Nebenwirkungen der Hormontherapie können sehr belastend sein. Zur Verminderung der Nebenwirkungen wurde das Konzept der Behandlungspausen entwickelt. Diese Behandlung wird auch als intermittierende Hormontherapie bezeichnet. Dabei werden Behandlungspausen bei Patienten mit einem guten Ansprechen auf eine Hormontherapie eingelegt. Die Hormontherapie wird  fortgesetzt, wenn der PSA Wert ansteigt oder wenn Krankheitszeichen auftreten. Aktuell wurde gezeigt, dass die Langzeitergebnisse dieses Konzeptes genauso gut wie bei einer durchgehenden Behandlung ohne Pausen sind. Die Patienten mit den Behandlungspausen haben eine höhere Lebensqualität.

Was passiert beim Absetzen der Hormontherapie?

Beim Absetzen einer Hormontherapie kann es zunächst zu einem unerwarteten Ereignis kommen, einem Absinken des PSA Wertes! Das kurzfristige Absetzen einer lange durchgeführten Hormontherapie führt bei 15 – 30 % der Patienten zu einem Rückgang des PSA Wertes. Dieser Effekt kann über mehrere Monate anhalten, ist aber in der Regel nur von kurzer Dauer. Andere Krankheitszeichen bilden sich nur bei weniger als    5 % der Patienten zurück.

Nebenwirkungen der Hormontherapie

Die Nebenwirkungen einer langfristigen Hormontherapie können erheblich sein und den Gewinn dieser Therapie (fast) wieder aufheben.

Häufig sind Hitzewallungen, Vergrößerung der Brustdrüse und Brustschmerz, Verlust des sexuellen Interesses, Erektionsstörungen, Verminderung der körperlichen Leistungsfähigkeit, Müdigkeit (Fatigue), Veränderungen des Stoffwechsels mit Zunahme des Körperfetts und Störungen im Zuckerstoffwechsel, Osteoporose und Blutarmut. Patienten mit einer vorbestehenden Herzkrankheit (Verengung der Herzkranzgefäße, Herzinfarkt) haben ein erhöhtes Risiko für eine Verschlechterung der Herzfunktion.

Viele Nebenwirkungen einer Hormontherapie können erfolgreich behandelt werden. Für die Behandlung der Osteoporose stehen Bisphosphonate und Denosumab zur Verfügung. Bei Patienten mit einer vorbestehenden Herzkrankheit ist eine sorgfältige Überwachung von Herz und Kreislauf erforderlich. Folgende Nebenwirkung treten auf:

Sehr häufig

Häufig

Gelegentlich