Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Schwerin

Chemotherapie

Chemotherapie wird eingesetzt bei Patienten, die auf eine Hormontherapie nicht mehr ansprechen. Mit den verschiedenen Medikamenten kann bei bis zu 50 % der Patienten ein Rückgang der PSA Werte um mindestens 50 % erreicht werden. Gleichzeitig gehen Beschwerden, z. B. Schmerzen, zurück.

Empfohlen wird die Chemotherapie bei Patienten, die Beschwerden aufgrund von Metastasen haben. Diskutiert werden kann eine Chemotherapie auch bei Patienten mit einem Anstieg des PSA Wertes unter einer Hormontherapie. Als Standard der Chemotherapie wird Docetaxel empfohlen. Die Wahl des am besten geeigneten Medikamentes hängt auch vom Allgemeinzustand des Patienten, anderen Krankheiten und von seinen Wünschen ab.

In den meisten Studien wurde die Chemotherapie mit niedrigdosierten Kortison-Präparaten kombiniert, z. B. Prednison oder Prednisolon 5 mg zweimal täglich. Im Folgenden werden die Medikamente der Chemotherapie vorgestellt.  

Docetaxel

Docetaxel ist das wirksamste Medikament der Chemotherapie beim kastrationsresistenten Prostatakrebs. In den Zulassungsstudien wurde es gegenüber Mitoxantron verglichen. Docetaxel gehört zu den Taxanen.     Es hat seine größte Wirkung, wenn es alle 3 Wochen gegeben wird. In der Zulassungsstudie lagen die Ansprechraten auf Docetaxel bei 12 %, der PSA Wert sank bei 45 % der Patienten. Die Zeit bis zum Fortschreiten der Krebskrankheit war gegenüber Mitoxantron verlängert. Die Lebensqualität wurde verbessert. Schwere Nebenwirkungen, die bei mehr als 20 % der Patienten in den Zulassungsstudien auftraten, waren Haarausfall, Müdigkeit (Fatigue), Übelkeit/Erbrechen, Verminderung der weißen Blutkörperchen, Durchfall, Nervenschädigung und Veränderungen der Nägel. Hier kann man durch Kühlhandschuhe/Kühlpads gegensteuern sodass keine Nagelschäden entstehen.

Eine Alternative ist die wöchentliche Gabe von Docetaxel. Diese Variante ist genauso wirksam in der Senkung des PSA Wertes, führt aber nicht zu einer Verlängerung der Überlebenszeit im Vergleich zu Mitoxantron. Die Nebenwirkungen sind ähnlich wie bei der dreiwöchentlichen Gabe, das Risiko für eine Verminderung der weißen Blutkörperchen ist aber geringer.

Beim Einsatz von Docetaxel wird eine Behandlung über 9 Zyklen empfohlen. Wenn die Krankheit fortschreitet, ist eine Fortsetzung der Behandlung mit Docetaxel nicht sinnvoll. Bei einem späteren Rückfall kann Docetaxel wieder eingesetzt werden.

Mitoxantron

Mitoxantron gehört zur Gruppe der Anthrazykline und Anthracene. Es wurde in den 90er Jahren zugelassen. In aktuelleren Studien waren die Überlebenszeiten unter Therapie mit Mitoxantron kürzer im Vergleich zu Docetaxel. Schwere Nebenwirkungen, die bei mehr als 20 % der Patienten auftreten, sind Übelkeit / Erbrechen, Müdigkeit (Fatigue) und eine Verminderung der Herzfunktion.

Estramustin

Estramustin ist ein Kombinationspräparat aus Nitrogenmustard und Östradiol. Es hat die Wirkungen einer Hormon- und einer Chemotherapie. Estramustin senkt den PSA Wert bei bis zu 30 % der Patienten. Belastende Nebenwirkungen sind die Folgen der Hormontherapie mit erhöhtem Risiko für Thrombosen und Embolien, einer Verschlechterung der Herzfunktion, Wassereinlagerung, Vergrößerung der Brustdrüse, Übelkeit und Erbrechen. In Kombination mit Docetaxel steigert Estramustin die Ansprechraten und verlängert auch die Zeit zum Wiederanstieg von PSA. Estramustin wird in Tablettenform gegeben.

Cabazitaxel

Cabazitaxel ist das neueste Präparat in der Gruppe zugelassener Medikamente der Chemotherapie. Cabazitaxel gehört zu den Taxanen. Getestet wurde es bei Patienten, die auf Docetaxel nicht mehr ansprachen, aber in gutem Allgemeinzustand waren. Die Ansprechrate von messbaren Metastasen lag bei 14,4 %, die PSA Ansprechrate bei 39,2 %. Die Zeit bis zum Fortschreiten der Krebskrankheit war gegenüber Mitoxantron verlängert. Schwere Nebenwirkungen, die bei ca. 5 % der Patienten auftreten, sind Verminderung der weißen Blutkörperchen, Blutarmut und Durchfall. Kritisch ist das Risiko für schwere Entzündungen aufgrund der Verminderung der weißen Blutkörperchen. Diese Entzündungen können zum Tode führen. Bei einer Behandlung mit Cabazitaxel sind engmaschige und regelmäßige Kontrollen des Blutbildes erforderlich.

Andere Medikamente

Andere Chemotherapie-Medikamente mit einer gewissen Wirksamkeit sind Anthrazykline, 5-Fluorouracil, Platinderivate und Vincaalkaloide. Sie können eingesetzt werden, wenn die oben beschriebenen Medikamente nicht wirken oder wenn andere Krankheiten des Patienten ihren Einsatz nicht möglich machen.

Medikamente der Chemotherapie

   
Cabazitaxel  Zweitlinie nach Docetaxel
Docetaxelkastrationsresistenter Prostatakrebs
Estramustinkastrationsresistenter Prostatakrebs
Mitoxantronkastrationsresistenter Prostatakrebs