Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Schwerin

Alternative Behandlungsformen

Abwarten und andere örtliche Therapieverfahren

Patienten mit einem Prostatakrebs können sich auch für ein abwartendes Verhalten entscheiden. In diesem Konzept wird erst beim Auftreten von Beschwerden behandelt. Man verzichtet dabei auf die Chance einer Heilung durch Operation oder Bestrahlung, umgeht damit auch das Risiko von Nebenwirkungen der Behandlung. Bisher wurden Ergebnisse von zwei randomisierten klinischen Studien zum Vergleich von Abwarten gegenüber Behandlung veröffentlicht. In der Studie mit der längsten Nachbeobachtungszeit lebten die operierten Patienten länger als die abwartenden Patienten. Allerdings traf dieses Ergebnis nur für Patienten unter 65 Jahre zu. Da eine derartige Altersgrenze schwierig ist, empfiehlt sich eine Orientierung an der mutmaßlichen Lebenserwartung der Patienten.  

Gründe für ein abwartendes Verhalten

  • niedriges oder mittleres Risiko  
  • Patienten mit höherem Risiko, aber ohne Beschwerden
  • Lebenserwartung unter 10 – 15 Jahren
  • PSA-Wiederanstieg später als zwei Jahre
  • PSAVZ länger als 10 Monate
  • Kein Befall von Samenblase oder/und Lymphknoten
  • Patientenwunsch

Andere örtliche Therapieverfahren

Es gibt andere Methoden, um Prostatakrebs gezielt zu behandeln. In der Regel werden diese Verfahren nach der Methode der Knopfloch-Chirurgie eingesetzt. Am weitesten verbreitet sind die Kältetherapie (Kryotherapie) und der hochintensive fokussierte Ultraschall (HIFU) und die Hyperthermie (Überwärmung). Da bisher Studien zum Vergleich dieser Methoden mit Operation oder Bestrahlung fehlen, gelten sie als experimentell.

Unter Kryotherapie versteht man einen Eingriff zur Zerstörung von Gewebe mittels starker Kälte (von griechisch kryos = Frost): Eiskristalle zerstechen Zellmembranen, Wasserentzug verklumpt Eiweiße, chemische Veränderungen leiten den programmierten Zelltod ein (die Apoptose), und die Schädigung von Blutgefäßen unterbricht die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen.

Die Abkürzung HIFU bedeutet: Hoch Intensiver (hoch energetischer) Fokussierter (gebündelter) Ultraschall. Bei der Behandlung mit HIFU werden die Ultraschallwellen wie mit einem Brennglas im Zielgebiet gebündelt. Das Gewebe dort nimmt die Energie auf und geht zugrunde, vor allem durch Erwärmung auf über 65°C. Das zwischen der Schallquelle und dem Ziel befindliche sowie das umliegende Gewebe werden hingegen kaum belastet.

Als Hyperthermie (Überwärmung) bezeichnet man eine Erhöhung der Körpertemperatur bei intakter Wärmeregulation im Gehirn (im Gegensatz zu Fieber). Sie lässt sich zu Behandlungszwecken auch künstlich von außen herbeiführen (z.B. durch Matten mit warmem Wasser). Wird die Prostata auf mehr als 42°C erwärmt, verstärkt dies die Wirkung einer vorherigen oder anschließenden Bestrahlung. Eine solche Hyperthermie wurde bislang nur in einigen Studien bei lokal fortgeschrittenem Prostatakrebs eingesetzt, so dass es entsprechend wenige Daten zu Ergebnissen und Nebenwirkungen gibt.