Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Schwerin

Krebs und Psyche des Mannes – Die Seele leidet mit

Die Therapie hat Fortschritte gemacht

Die Mitteilung der Diagnose „Krebs“ löst in der Regel Gefühle wie Angst, Unsicherheit und Verzweiflung aus. Die meisten Menschen verstehen unter „Krebs“ pauschal bösartige Erkrankungen, die nicht zu heilen sind und mit Schmerzen, Leiden und Behinderung einhergehen. Zum Glück trifft dies bei sehr vielen Krebserkrankungen nicht mehr zu. Viele sind gut zu therapieren, manchmal sogar zu heilen. Symptome wie Schmerzen, Schwäche oder Depressionen sind normalerweise so gut zu behandeln, dass sie keine allzu große Belastung darstellen müssen. Zu den recht gut therapierbaren Krebsarten gehört auch der Prostatakrebs, wenn er rechtzeitig erkannt und behandelt werden kann. Nur allzu oft ist es so, dass „Der Mann“ als Mann selten zum Arzt geht, noch seltener zum Urologen. Leider ist dann der Prostatakrebs oft nur noch schwer in den Griff zu bekommen. Hier spielt die Psyche des Mannes DIE entscheidende Rolle!!

Die Psychoonkologie steht krebskranken Menschen bei

Dennoch bringt die Diagnose „Prostatakrebs“ eine unglaubliche seelische Belastung mit sich, die mit einer akuten Krisensituation, die mit einem „Nervenzusammenbruch“ vergleichbar ist. Diese Belastung kann unabhängig von der rein körperlichen Erkrankung zu psychischen Erkrankung führen oder eine schon bestehende psychische Erkrankung, etwa eine Depression, verstärken. Diese Situation krebskranker Menschen hat zu einem neuen Bereich in der Medizin geführt, der Psychoonkologie. Psychoonkologen helfen krebskranken Menschen, mit der belastenden Situation sowohl der Krankheit selbst, als auch der Therapie und ihrer Begleiterscheinungen besser zurecht zu kommen. Leider gibt es diese wirklich notwendige und sinnvolle Einrichtung heute nur in wenigen onkologischen Kliniken. Hier sind unsere Hausärzte und Urologen besonders gefragt.

Der Arzt sollte immer wieder umfassend informieren

Jeder Arzt sollte diese normalen und zu erwartenden Ängste seiner Patienten kennen und bemüht sein, nicht nur die Diagnose mitzuteilen, sondern auch die durchführbaren Therapie-möglichkeiten und deren Erfolgsaussichten zu vermitteln. Da diese Informationen unter dem Eindruck der mitgeteilten Diagnose nicht immer sofort und vollständig verarbeitet werden können, sollte sie der Arzt in folgenden Gesprächen noch häufiger wiederholen. Ein Betroffener braucht sich auch nicht zu scheuen nachzufragen und zu hinterfragen, wenn er etwas nicht verstanden oder etwas vergessen hat. Ein guter Arzt geht auf seinen Prostatakrebs-Patienten immer mit großem Fein-gefühl um.

Offene Gespräche helfen bei Schuld- und Schamgefühlen.

Einige Patienten empfinden Schuldgefühle, sie nehmen die Krebserkrankung als Strafe für begangene Verfehlungen wahr oder fragen sich, ob sie etwas hätten tun können, um die Krankheit zu verhindern. Diese Schuldgefühle sind völlig unbegründet, denn es kann jeden treffen und zu schweren psychischen Belastungen führen.  Eine Fatigue verhindert unter Umständen, dass der Betroffene wieder Mut fasst, motiviert wird und mit viel Engagement eine Therapie durchführt. Es kann sehr entlastend sein, mit der Familie und mit Freunden, aber auch mit dem behandelnden Arzt oder einem Psychologen über diese Gefühle zu sprechen. Auch braucht sich kein Prostatakrebs-Patient seiner Erkrankung zu schämen und sie vor Familienmitgliedern und Freunden geheim zu halten.

Im Gegenteil:

Ein offenes Gespräch schafft zum einen Erleichterung durch die Aussprache, zum anderen Verständnis für die spezielle Situation, die z. B. das Bedürfnis nach körperlicher Schonung, eine Umgestaltung der bisherigen Lebensplanung oder neue Ansichten und Empfindungen mit sich bringt.

Die seelische Verarbeitung verläuft bei jedem Mann in unterschiedlichen

In der Regel verläuft die Reaktion auf die Diagnose „Prostata-Krebs“ in mehreren Stadien. Sie ist individuell sehr unterschiedlicher Ausprägung vorhanden. Viele Männer erleben, folgende seelische Phasen der Verarbeitung:

Phasen – auch die Psyche braucht Zeit, in der neuen Lebens-situation zurecht zu kommen

  • aktive Verweigerung (die Diagnose wird innerlich nicht akzeptiert).
  • aggressive Verweigerung (die Diagnose wird innerlich aktiv abgewehrt, um sie nicht wahrhaben zu müssen).
  • teilweise Verweigerung (die vollständige Verweigerung lässt nach, ansatzweise wird das Bewusstwerden der Situation innerlich zugelassen).
  • depressive Annahme (vollständiges Bewusstwerden der Diagnose, was aber Verzweiflung und Depressivität auslöst).
  • bewusste Annahme (Bewusstwerden und Akzeptanz der Situation sowie die Bereitschaft, objektiv darüber nachzudenken).
  • Annahme (die Diagnose „Prostata-Krebs“ wird innerlich angenommen. Er macht alles möglich, um seinen Zustand aktiv zu verbessern.

Die Stimmung schwankt – das ist normal

Die seelische Situation bei Männern mit Prostatakrebs kann häufigen Schwankungen unterliegen. Dies ist zum einen auf Änderungen des Krankheitsbildes (Therapieerfolge, Rückschläge), zum anderen auf die bei jedem Menschen vorkommenden Stimmungsschwankungen zurückzuführen. Gerade bei Männern mit Prostatakrebs können die Stimmungsschwankungen wegen der speziellen Situation stärker ausfallen. Es ist für jeden Mann eine kleine Katastrophe, wenn die Kontinenz, die Potenz und die Erektionsfähigkeit gelitten haben. Es ist wichtig zu wissen, dass diese sehr belastenden Nebenwirkungen in ihrer Situation „normal“ sind. Hilfreich sind Gespräche mit der Familie und mit Freunden, aber auch mit dem behandelnden Urologen, dem Hausarzt, mit einem Psychologen oder einem Psychoonkologen. Eine Selbsthilfegruppe gibt ebenfalls Hilfen und kann Betroffene auf zusätzliche Angebote hinweisen.

Die psychische Situation sollte Teil der Therapie sein – immer wieder

Die psychische Situation des Betroffenen ist sehr wichtig, weil der Arzt eine Therapie nur mit dem Einverständnis und der Mitarbeit eines Patienten durchführen kann. Daher sollte ein Arzt immer bemüht sein, den Betroffenen – angepasst an dessen seelische Stabilität, und sein Informations-bedürfnis – umfassend zu informieren. Nur so kann dieser in die notwendigen Therapiemaßnahmen einwilligen und sie auch versteht. Ein informierter, mündiger und motivierter Patient wird die ungeliebten Therapien eher annehmen und   auftretende Nebenwirkungen in Kauf nehmen. Ein unaufgeklärter Patient, dem der Nutzen einer Therapie nicht erklärt wurde, wird die Behandlung nicht akzeptieren.

Eigene Aktivitäten fördern die Lebensqualität

Von vielen Patienten wird es als hilfreich erlebt, wenn sie aktiv zur Therapie beitragen können, z. B. indem sie Ernährungsempfehlungen umsetzen. Alternativmethoden, die in zahlreichen Variationen angeboten werden, sollten mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, weil es mitunter zu Wechselwirkungen mit der vom Arzt durchgeführten Therapie kommen kann (Grapefruit).

Die Angst vor Nebenwirkungen kann vielfach durch umfassende Information gemildert werden

Häufig besteht Skepsis gegenüber der bei Krebserkrankungen häufig zum Einsatz kommenden Strahlen- und Chemotherapie. Viele Menschen haben Ängste vor Haarverlust, Hautveränderungen oder Übelkeit. Oft werden diese Nebenwirkungen sogar mehr gefürchtet, als die eigentliche „Todesdrohung“, die hinter der Diagnose Prostata-krebs steht.

Daher ist es bereits vor Beginn der Therapie von großer Bedeutung, die Betroffenen über die zu erwartenden Nebenwirkungen aufzuklären. Dieses entlastet die Psyche jeden Mannes ungemein.

Fachgerechte Hilfe von Psychologen und Psychoonkologen ist Teil der aktiven Therapie gegen den Krebs.

Im Rahmen einer Krebserkrankung kann es zu auffälligen Veränderungen des Äußeren kommen,  z.B. durch Gewichtsverlust oder – Zunahme. Solche Veränderungen beeinträchtigen oft nachhaltig das eigene Körperbild. Die jahrelangen Eigenaktivitäten sind eingeschränkt.  Dadurch fühlen sich viele Männer unter Umständen minderwertig oder nutzlos. Vielfach hilft dann die Unterstützung durch die Familie und Freunde, Mediziner und eine aktive Selbsthilfegruppe über solche schweren Situationen hinweg. Jedoch sollte sich kein Krebspatient scheuen, bei schweren seelischen Problemen auch die Hilfe von Psychologen oder Psychiatern in Anspruch zu nehmen. Dies ist nicht als „Wehleidig-keit“ zu deuten, sondern eine sinnvolle Möglichkeit,  mit der schweren Situation bei Prostatakrebs besser umgehen zu können.