Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Schwerin

Diagnose Prostatakrebs

Ich kann gar nicht richtig zuhören. Der Arzt spricht von Karzinom, von Tumor, Stadium, spezielle Wert, von Szintigramm, Operation, Strahlenbehandlung, Hormontherapie. Ich verstehe nur die Hälfte. Alles rauscht an meinen Ohren vorbei.

Halb höre ich hin, halb jagen mir Gedanken durch meinen Kopf, die ich zuvor noch nie hatte. Verstehen kann ich nichts. Draußen auf dem Flur und auch der Straße fallen mir Worte ein, ich verwerfe sie, denn es kann nicht sein. Der Urologe hat sich geirrt, er meinte nicht mich.

Klar sehe ich gar nichts.

Beim nächsten Arztgespräch stelle ich sehr gezielte Fragen. Ich hatte Zeit, mir einige Fragmente genau zu durchdenken. Nun verstehe ich mehr aber auch nicht alles. Was ich nun verstehe, ich nicht zu begreifen. Der meint doch nicht dich!!!!! Neue Fragen schießen durch mein Gehirn. Ich traue mich nicht, sie zu stellen. Ich habe Angst eine noch schlimmere Antwort zu bekommen. Mein Urologe macht mir unmissverständlich klar, dass ich an Krebs erkrankt bin und eine einschneidende Behandlung folgen muss. Ansonsten werde ich diese Erkrankung nicht lange überleben. Es fallen Worte, die mich erschüttern lassen. Operation, Bestrahlung, Chemotherapie, Hormonblockade, Inkontinenz, Impotenz und so viel Neues, welches alles an meinem Gehirn vorbei saust. Einig sind wir schnell, dass ein zeitnahes Eingreifen in das bösartige Geschehen erfolgen muss. OP, ja OP – wirklich OP? Bestrahlung – nein, noch nicht. Vielleicht später. Hormonblockade – nein, noch viel, viel später.

OK – OP – aber WO?? Es folge ein kurzes Abwägen des FÜR und WIDER.

Ein Anruf in der Klinik, der Professor ist auch gleich greifbar. Termin steht fest. In drei Wochen.

Völlig durcheinander, unfassbar, was sich eben tat, fahre ich nach Hause. Ich versuche zu verdrängen –  alles, was ich eben erlebt habe.

So sehr ich mich anstrenge, an schöne Dinge zu denken. Es gelang mir nicht.
Was sagt der PSA-Wert 3,8? Was heißt T2a? Was bedeutet G2? Wie sind die Erfolgsaussichten auf Heilung? Ist eine Heilung überhaupt möglich? Was gibt es für Nebenwirkungen – ja welche überhaupt? Inkontinenz, Impotenz sind Begriffe, die für den Moment uninteressant sind. Das betrifft mich persönlich nicht. Bei den anderen Männern schon, NEIN, nicht bei mir. Was sollen solche Gedanken????  Kann ich selber meine Geschicke, meine Heilung, mein Leben in die Hand nehmen? Drängt eigentlich die Zeit? Ist Eile geboten? Was ist mit meiner Familie, Was ist mit meiner Arbeit? Kann ich überhaupt noch arbeiten.

Was nun – muss ich oder muss ich nicht – sterben?

All diese Fragen schlichen sich täglich durch mein Gehirn. Verdrängen ließen sie sich nicht ganz. Ich fühlte mich cool, wenn ich andere, bessere Gedanken „herbei zaubern“ konnte. Jetzt habe ich es geschafft…… ja jetzt! Leider nicht. Ich war immer noch an der gleichen Stelle wie vor Tagen, als ich meinem Arzt gegenüber saß. Kein Schritt nach vorn, höchstens ein, zwei Schritte rückwärts.

Diese Diagnose „Krebs – Prostatakrebs“ löst bei jedem Betroffenen solche, ähnliche oder noch schlimmere Fragen aber auch bei den Angehörigen aus.

In Deutschland erkranken jährlich ca. 70.000 Männern an Prostatakrebs. Dieser Krebs ist inzwischen die häufigste Krebserkrankung bei Männern.

Leider gehen nur ca.8% der Männer über 45 gehen zur Vorsorgeunter-suchung. Es wäre sehr einfach einen PSA-Anstieg festzustellen. Eine Tastuntersuchung, die nur wenige Sekunden dauert, würde einen weiteren Anhaltspunkt für eine Erkrankung geben. Er gehört bisher nicht zur Routine-Vorsorge-Untersuchung.
Jedem Mann sollte seine Gesundheit so viel Wert sein, dass er diese Untersuchungen in regelmäßigen Abständen machen lässt. Der PSA-Test kostet ca. 20,00 EUR und gibt Sicherheit. 20,00 EUR, die sehr gut investiert sind.